Segeberger Segel Club

Segeberger Segel Club

Euro 2009 auf Kreta

Nachdem wir wochenlang recherchiert hatten, wie denn der beste Weg nach Kreta wäre, ob man sich ein Hotel oder Appartement mietet, was Fähren kosten, etc etc, begann das große Kribbeln ca. 1 Woche vor Abfahrt mit der bangen Frage, ob denn das Wetter Shorty geeignet sei. Unsere Anfahrt begann an einem Donnerstag in strömenden Regen. Und ihr könnt es glauben, oder nicht, der Regen hörte nicht auf, bis wir am Sonntagmorgen auf Kreta mit der Vermessung begonnen hatten.

Team Günni

Kreta

Chania. Eine Bezirksstadt im Nordwesten Kretas gelegen, mit einer wunderschönen Altstadt, einem herrlichen, alten Fischerhafen, genauso aber auch mit tollen, modernen Shopping Malls (fragt Katja und Arzu). Da sollte es also hin gehen. Soweit so gut. Die Schiffsflotte hatte allerdings ihren Liegeplatz auf der anderen Seite der Halbinsel, in Souda. Und hier das krasse Gegenteil. Ein Fährhafen, nebenan eine Werft, dahinter ein Marinestützpunkt. Mitten in der Bucht 3-5 Schwimmpoller für Frachter, und am Nordost Ende noch eine Militärbasis, die weiträumig gemieden werden sollte. Das Wasser im ersten Augen Aufschlag frisch und für das Prospektfoto wie geschaffen, allerdings kam man definitiv nicht umhin, den zweiten Blick aufgrund der Verunreinigungen angewidert abzuwenden. Vom Thema Umweltschutz hat man wohl im Umkreise noch nicht so viel gehört.

Vermessung

Die Vermessung am Samstag und Sonntag verlief weitgehend reibungslos. Auf dem Gelände des ortsansässigen Sport Leistungszentrums war einerseits genug Platz vorhanden, andererseits war der Ablauf sehr gut organisiert. Teilweise musste man auf die Vermesser warten. Was an sich aber nicht schlimm war, ihr könnt euch sicherlich das Tempo arbeitender Südländer vorstellen. Was gar nicht so richtig ging, war das Wetter. Samstag gab es ein wenig Regen. Der hielt allerdings so lange an, dass große Teile des Geländes überspült waren. Der Flughafen Chania musste in den Abendstunden sogar gesperrt werden -> zuviel Wasser auf der Bahn. Sonntag beruhigte sich der Wasserablauf von oben, der Wind blies allerdings stetig mit guter Brise. Da war es nun, das Shorts Wetter.

Montag morgens war allgemeines wassern der Boote angesagt. Jedes Team nahm seinen Wasserliegeplatz ein, und Höhe 13hundert gab es die Steuermannbesprechung. Als das Orga- Wettfahrt- und Juryteam vorgestellt worden war, wurden wir aufs Wasser geschickt. Ein wenig Practise Racen. Endlich. Raus auf die Bucht. Segeln. Shorts. Sonnenbrille. Genua. Wie gemalt. Allerdings ziemlich flauer Wind. Das Wettsegeln durch Flautenlöcher, Winddreher und sturmartigen Böen um 3 Knoten wurde nach der Hälfte des Rennens vorzeitig beendet. Da lagen bei einigen Teilnehmern die Nerven auch schon blank. Bei einem Tonnenmanöver verkrachten sich zwei griechische Skipper dermaßen, dass man damit rechnen musste, dass gleich die Säbel gezogen werden, und sämtliche Familienmitglieder zum Duell antreten.

Am Besten versuche ich einmal, die Örtlichkeiten zu erklären. Die Bucht hatte Nierenform. Im Westen unsere „Marina“. Im Norden ein Berg, im Süden eine Bergkette. Die Öffnung zum Meer im Osten etwas zugebaut durch zwei kleine, vorgelagerte Inseln. Dazu noch ein vor Reede liegender RoRo Dampfer (oder so). Da wir meist Nord-Süd Kurse (haut mich nicht, so um und bei jedenfalls) zu segeln hatten, sah das Spiel wie folgt aus. In der Mitte ständig drehende Winde. Also, nicht so wirklich angesagt, weil sich auch schon jemand tot gekreuzt hat. Am Luvfass 20° Dreher, am Leefass 20° Dreher. Und wenn man dann die falsche Seite der Bahn gewählt hatte, konnte man auch gleich getrost aufgeben.

Die Eröffnungsfeier war ganz nett. Es gab die üblichen stundenlangen Reden von Offiziellen (ich glaube, Chania hat mindestens 4 Bürgermeister). Ein leckeres Buffet wurde kredenzt, und Wein, Bier und Raki (griechisch!) flossen reichlich.

Segeln

Der Dienstag begann mit Startverschiebung an Land. An der allgemeinen Wetterlage hatte sich nämlich nicht so viel getan. Gegen Mittag gingen wir aufs Wasser. Eine stetige Brise mit nie mehr als 8 Knoten hatte sich mittags durchgesetzt. Der erste Start sah die Teams im Vorteil, die sich für den linken Teil der Bahn entschieden hatten. Da waren auch –glücklicherweise oder auch nicht- wir dabei. An der 1 waren wir erstes Schiff, das Feld hatte sich bereits etwas auseinander gezogen. Im Laufe des Rennens zeichnete sich ein Zweikampf mit der Hellenic Police ab. Ein ums andere Mal mussten wir uns ihrer Angriffe erwehren. Der lachende dritte war Jan Kähler. Ich konnte mir lebhaft deren schelmisches Lächeln vorstellen, kamen sie doch Schlag auf Schlag dichter an das Führungsduo heran. Ich war der Meinung, dass wir vor dem Wind schon ein ganz gutes Tempo vorlegten, der Grieche allerdings war noch einmal eine Nuance schneller, und konnte uns kurz vor dem Ziel überholen (aha, auf Kreta fährt also auch die Polizei zu schnell). Jan als dritter im Ziel. Hut ab vor den Panta Jungs, die sich nach ihrem bereinigten Frühstart durch permanent schnelles segeln noch auf den 5. Platz verholen konnten. Viel Pech hatten unsere Jungs aus dem Hobby Handwerksmarkt. Bei ihnen streikte die Taktik, und gab ein wenig später sogar vollends den Geist auf. Bei vorherrschenden Bedingungen ohne Taktik zu fahren, wäre sicher nicht nach jedermanns Geschmack gewesen.

Im zweiten Rennen hatten wir einen noch perfekteren Start, der uns unseren nie gefährdeten Tagessieg einbrachte. Hinter uns eine Mischung aus italienischen und britischen Segel-Nummern, dass mir langsam schwindelig wurde, aufgrund der Kompetenz, die sich im Feld hinter uns befand. Die deutschen Crews belegten eher mäßige Plätze im Mitteldrittel. Hut ab vor Max Bahr, die sich immer besser in die Landnavigation einarbeiteten, und den 9. Platz ersegeln konnten.

Das dritte Rennen begann für United5 und uns mit einem desaströsen Start. Wir waren beide zu früh am Pin End und mussten den Start abbrechen. GÜNNI konnte sich dabei noch Einiger-Massen schadlos halten, halsen, und auf Steuerbord hinter dem Feld auf die freie Bahn gehen. Jan wurde durch einen unwissenden Griechen bis –gefühlte- 50 Meter hinter die Linie gezogen, bis sich dieser überlegte, eine Halse anzusetzen, um dann endlich den Weg frei zu machen. Die Pantas vorne dabei, Max Bahr ebenso. Beide mit gutem Erfolg, englische Teams im Schach zu halten. Wir hatten das Glück auf unserer Seite. Freie Winde, maximalen Speed an der Kreuz, und vor dem Wind ein ganzes Pulk neben uns, was sich gegenseitig das Leben auf der Bahn zur Hölle machte. Das Ergebnis dieser Wettfahrt: Gavin Watson holt sich seinen Tagessieg, GÜNNI dahinter, und bevor die Pantas und die Max Bahr die Ziellinie übersegeln konnten, wieder dieses griechische Police Boot.

Nach dem ersten Tag machte ich das übliche Foto für die Ewigkeit: die Ergebnisliste.1. GÜNNI, 2. Hellenic Police, 3. Reloaded. 5. Panta Rhei, 7. Max Bahr, 10. United5 Die großen, europäischen Namen im Feld verteilt. Am Nachmittag war eine griechische Sause angesetzt. Der Unterschied zur Eröffnungsfeier war, das die Redner diesmal nicht anwesend waren. Am Mittwoch wurden wir nach Startverschiebung an Land wieder gegen Mittag aufs Wasser geschickt. Allerdings konnte sich diesmal kein Wind durchsetzen, und so fuhren wir nachmittags unverrichteter Dinge wieder an Land.

Donnerstag gab es bei uns dann endlich wieder das große Flattern. Ein Start vom anderen Stern, falsche Seite gewählt, danach unmotiviert wieder falsch abgebogen...-> Platz 25. Patsch. Die Pantas mit ihrem 6. Platz noch das beste deutsche Team, Max Bahr mit geliehener, neuer Taktik 9. Dabei profitierten die Kähler Jungs als 8. von der Entscheidung des Wasser Schiris, die Max Bahr zwei Strafkringel drehen zu lassen. Unerlaubtes Wanten festhalten währen der Wende, oder so ähnlich hieß es. Auf der Startkreuz hatte dieses Urteil bereits die United5 getroffen, die sich danach allerdings wieder super nach vorne segeln konnten.

Im 5. Rennen gab es dann Frühstart Max Bahr, und Frühstart United5. Allerdings war sich die Wettfahrtleitung nicht ganz einig, welche Nummer über Funk durch gegeben werden sollte. GER5281, oder GER5381, oder beide? Es kam so, dass Stefan sich bereinigte, und Jan nachträglich disqualifiziert wurde. Begründung: das haben wir doch über Funk durch gegeben. Das hatte allerdings niemand so richtig gehört…. Max Bahr also mit Streichergebnis in diesem Lauf. Panta Rhei mit einem 10. Platz. Wir hatten uns nach einem mittelmäßigen Start gerade wieder nach vorne gekämpft, als sich ein englisches Boot nach dem nächsten auf uns drauf wendete. Ich habe noch nie in meinem Leben so viele fiese Segler gesehen. Scheinbar hatten die Jungs uns wirklich auf dem Zettel (ein gutes Gefühl übrigens). Wir konnten uns durch überlegenen Vorwind Speed als 5. ins Ziel retten.

Und dann gab es den Show Down im 6. Rennen. Vom Start bis ins Ziel prügelten sich die drei führenden Teams um den Wettfahrtsieg, den sich letzt endgültig die griechische Polizei mit einer halben Länge Vorsprung vor uns, und den an diesem Tag entfesselt segelnden Ian Southworth sicherte. Panta Rhei auf 5, Max Bahr auf 6, und für United5 stand der 12. Platz auf der Ergebnistafel.

Es wurde dann noch ein viertes Rennen gestartet, welches allerdings noch auf der Startkreuz wieder abgebrochen wurde. Warum, weiß der Geier, habe ich nicht mitbekommen. Das Adrenalin… …ihr werdet das verstehen.

Der letzte Tag sah an der Spitze den Dreikampf: Hellenic Police 10 Punkte, GÜNNI 12 Punkte, INMARSAT 15 Punkte. Unter diesen dreien würde die Entscheidung fallen. Und dann war der Wind weg. Alexandros Tagaropoulos war mit Sicherheit die ganze Zeit am beten, dass keine Brise mehr einsetzen solle. Ich persönlich schwankte ein wenig. Unsere Stegnachbarn –die INMARSAT Jungs- schauten nämlich die ganze Zeit so fiese zu uns herüber. Keine Ahnung, welche Pläne die verfolgen wollten. Nach schier endlos langem Warten dann kurz vor 13hundert die Entscheidung der Wettfahrtleitung, aufgrund widriger Umstände keine weitere Wettfahrt mehr zu starten. Aus. Vize Europameister. Yupp. Honigkuchen Pferd.

Danach wurde zügig gekrant, und die Boote für die Abreise am gleichen Abend vorbereitet. Die Feierlichkeiten wurden kurzerhand auf die Fähre verlegt, und schon waren wir wieder auf dem Weg nach hause.

Wo sich mir vorab noch die Frage gestellt hatte, ob es denn nicht ziemlich gehirnlos sei, one way 1750 Kilometer durch Europa zu cruisen, An- und Abreise in 5,5 Tagen hinter sich zu bringen, um dann 2 Tage (von 6) vor Ort zu segeln, kann ich im nach hinein nur sagen: klar lohnt sich so etwas!

Es hat definitiv Spaß gemacht, mit den ganz großen um die Wette zu segeln. Alexandros Tagaropoulos (Europameister im Tornado) mit seinem Olympia Team und Trainer. Ian Southworth (Welt- und Vize Weltmeister, 4fach Europameister), Aurelio Bini, Gavin Watson, Salvatore Orecchioni, Stuart Jardine, Nathan Batchelor, dazu Teile der deutschen Top Teams. Das war schon ein Niveau, was unsere Vorfreude auf die Worlds in Schweden in 2010 merklich wachsen lies.

Die Ergebnisse der deutschen Teams: GÜNNI mit Matthias Garzmann auf 2, PANTA RHEI mit Jan Hössermann auf 5, MAX BAHR mit Stefan Karsunke auf 9, UNITED5 mit Jan Kähler auf 11.